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Achso — Die Lücke schließen
UI/UX Redesign & Evaluation

Die Achso App — eine Lern-App für subkulturelle Bildungsprozesse, finanziert von BAMF — kam mit einem klaren Problem zu uns: Die Nutzer waren nicht begeistert. Die Evaluationsergebnisse der Universität Heidelberg zeigten es deutlich — zu viel Text, zu viele Klicks, zu lange Übungen, zu wenig Leben. Eine App, die eigentlich verbinden sollte, verlor ihre Nutzer still und leise.

Als Teil des Redesign- und Evaluationsteams analysierte ich die Ergebnisse und identifizierte die eigentliche Lücke: fehlende Emotion. Die App funktionierte technisch — aber sie fühlte sich nicht an. Mein Ansatz war Gamification: nicht als spielerische Dekoration, sondern als echte Brücke zwischen Mensch und Maschine. Durch gezielte Gamification-Methoden sollte aus einer Pflicht ein Erlebnis werden — etwas, das Nutzer nicht nur benutzen, sondern das sie wirklich abholt.

Language Switching UX
WCAG 2.1 AA
Microanimation
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Behavioral triggers
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Warum Gamification funktioniert?

Gamification ist keine Spielerei — sie ist Wissenschaft. Unser Gehirn reagiert auf Belohnungen, Fortschritt und Herausforderungen mit der Ausschüttung von Dopamin, dem Botenstoff für Motivation und Freude. Jedes erreichte Ziel, jeder kleine Erfolg aktiviert das mesolimbische System — das Belohnungszentrum des Gehirns — und sorgt dafür, dass wir mehr wollen. Genau das macht Gamification so wirkungsvoll im Lernprozess.

Dazu kommt Oxytocin: das Hormon der Verbindung und des Vertrauens. Wenn eine App nicht kalt und distanziert wirkt, sondern Nähe und Fortschritt spürbar macht, entsteht eine emotionale Bindung — zwischen Nutzer und Interface. Diesen psychologischen Mechanismus wollte ich bei Achso gezielt nutzen. Theorien wie die Selbstbestimmungstheorie von Deci & Ryan zeigen, dass Menschen intrinsisch motiviert bleiben, wenn sie Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit erleben — alles Elemente, die Gamification direkt anspricht.

Meine Überzeugung: Eine App, die das Gehirn richtig anspricht, braucht keine langen Texte und erzwungenen Klicks. Sie zieht — weil sie sich gut anfühlt.

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Theorien hinter dem Design

Jede Designentscheidung bei Achso hatte eine wissenschaftliche Grundlage. Drei Theorien haben mein Konzept besonders geprägt.

Flow — Mihály Csíkszentmihályi

Die ursprüngliche App ließ Nutzer im Dunkeln: Wie viele Aufgaben gibt es? Warum soll ich das lesen? Wo bin ich gerade? Csíkszentmihályis Flow-Theorie besagt, dass Menschen in einen Zustand tiefer Konzentration gelangen, wenn Ziele klar und der Fortschritt sichtbar ist. Deshalb gestaltete ich die Übungen als visuelle Cube-Inseln — alle auf einen Blick sichtbar, jede mit eigenem Symbol und passender Farbe. Der Nutzer weiß immer: Wo bin ich? Was kommt noch? Wie weit bin ich?

Behaviorismus — Watson, Pavlov & Skinner

Die Beziehung zwischen App und Nutzer war einseitig — die App sprach, der Nutzer gehorchte. Behavioristische Prinzipien zeigen, dass äußere Reize und Belohnungen das Verhalten formen. Ich habe diese Verbindung in beide Richtungen geöffnet: Belohnungs-Popups, Soundeffekte bei Erfolg und visuelle Reaktionen machen aus einer stillen App einen echten Gesprächspartner. Die App reagiert — und der Nutzer fühlt sich gesehen.

Goal-Setting-Theorie — Locke & Latham

Ziele motivieren nur, wenn sie konkret, erreichbar und präsent sind. Mit täglichen Zielen und gezielten Notifications erinnert die App den Nutzer nicht nur daran, was zu tun ist — sie gibt ihm das Gefühl, dass er es schaffen kann. Kleine tägliche Erfolge bauen Gewohnheiten auf. Gewohnheiten bauen Bindung auf.

Visual Redesign — Eine neue Sprache für die App
Die App sah aus, wie sie sich anfühlte: hart, kalt, distanziert. Scharfe Kanten, flache Farben, hohe Kontraste, weiße leere Hintergründe — ein Interface, das funktionierte, aber keine Einladung war. Nutzer öffneten die App, weil sie mussten. Nicht, weil sie wollten.

Ich habe die visuelle Sprache von Grund auf neu gedacht. Scharfe Kanten wurden zu runden, weichen Linien — weil Rundungen unbewusst Sicherheit und Wärme signalisieren. Flache Farben wichen sanften Farbverläufen und Schattierungen, die Tiefe und Dimension erzeugen. Die leeren weißen Hintergründe verwandelten sich in lebendige Farbverläufe — plötzlich hatte die App Atmosphäre, Raum, Charakter.

Diese Änderungen waren keine ästhetische Entscheidung allein — sie waren eine emotionale. Unser Gehirn reagiert auf visuelle Reize bevor wir überhaupt bewusst wahrnehmen. Ein weiches, warmes Interface senkt die Hemmschwelle, lädt ein, bleibt länger in Erinnerung. Das neue Design sollte nicht nur moderner aussehen — es sollte sich anders anfühlen. Einladend. Lebendig. Menschlich.

Dieser Bereich befindet sich noch im Aufbau. Ein Teil des Projekts ist bereits online — weitere Details folgen in Kürze.

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